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Graz (STMK), 16.-18.06.2005 1010 km / 15750 Höhenmeter Glocknerman Homepage Schon im Herbst letzten Jahres habe ich mich entschlossen am Glocknerman teilzunehmen. Einerseits findet die Veranstaltung fast vor meiner Haustür statt, und ausserdem hatte ich bis jetzt über dieses Rennen und deren Organisation nur Gutes gehört. Terminlich passt mir der Glocknerman sehr gut in meine Saisonplanung und stellt für mich gleichzeitig eine Formüberprüfung für das im August stattfindende XX Alps dar. Platz 10 Insgesamt Platz 2 in der Klasse M-30 Vize Weltmeister im Ultra Radmarathon Glocknerman 2005 Gesamtzeit inkl. aller Pausen: 43 Stunden 55 Minuten
Rückblick: Mittwochnachmittag. Franz Lueger ist mit dem EALK Chrysler zu mir nach Hause gekommen, und gemeinsam mit meinem Vater arbeiten wir fast den ganzen Nachmittag. Die Soundanlage die mir Josef Donnerer von IMBS gebaut hat muss mit den Endgeräten verkabelt werden, das Laptop wird im Bus bedienungsfreundlich installiert und festgeklebt, sämtliches Material wird verstaut und die Zeit vergeht wie im Flug. Gegen 15 Uhr gönnen wir uns dann endlich ein Finisher Bier ehe wir zum Briefing ins Schwarzl Freizeitzentrum nach Graz aufbrechen. Dort angekommen stoßt auch Michi zu uns, und gemeinsam mit Thomas und Agi Stindl vertreiben wir uns die Zeit bis zum Beginn des Briefings mit einigen Getränken. Auch Thomas Ratschob mit Crew ist mittlerweile eingetroffen und kurz vor 18 Uhr startet dann auch schon die Fahrerbesprechung. Mittlerweile bin ich doch schon etwas aufgeregt und ziemlich froh als wir kurz vor 19 Uhr wieder im Auto von Gerhard sitzen und zu uns in die Wohnung fahren. Die letzte Nacht beginnt für mich schon gegen 9 und nach einem erholsamen 11 Stunden Schlaf beginnt der Race Day plangemäß um 8 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Race Day 1: Während meine Crew die letzten Erledigungen macht, versuche ich noch etwas ruhe zu finden ehe es gegen 10 Uhr aufgeht zum Start. Mit Heinz und meinem Vater sind wir mittlerweile komplett und ich freue mich dass auch Josef von der Fa. IMBS der für die Beschallung und den Sound verantwortlich ist, sowie mein Hauptsponsor sowie Dreh- und Angelpunkt meiner Projekte Mag. Thomas Verdino von der Casa Medica Apotheke den Weg zum Start gefunden haben. Letzte Checks am Rad, einige kurze Interviews und Plaudereien mit anderen Fahrern lassen die Zeit wieder recht kurzweilig erscheinen und Punkt 12 heißt es dann: Start your Engines. 22 Extremsportler aus 5 Nationen stellen sich heuer dieser Tortour und ohne großes Aufsehen erfolgt der Start. Neutralisiert geht’s die ersten 21 km Richtung Waldschacher See. Ich rolle mit Thomas Jaklitsch, wir plaudern so dahin und ehe ich mich versehe wird das Rennen freigegeben. Jetzt wird das Tempo schlagartig erhöht. Ich reihe mich irgendwo im Mittelfeld ein und versuche an Benny Furrer dran zu bleiben. Gemeinsam fahren wir über Kitzeck und mittlerweile zu Dritt mit Kerekes machen wir bis Eibiswald gemeinsam Druck und wechseln uns ab. Auf die Soboth zieht sich das Feld dann schon ordentlich auseinander. Furrer, Kerekes und ich versuchen konsequent Druck zu machen um an Thomas Stindl ranzukommen. Hinter uns ist eine Vierergruppe die natürlich auch noch relativ frisch ist. Ich bin gut drauf und als dann auch noch der Regen einsetzt und die Temperatur etwas drückt können Furrer und ich uns von Kerekes lösen und zu Thomas Stindl vorstoßen. Nach 3.30 Fahrzeit erreichen wir den Parkplatz auf der Soboth. Während sich Furrer gleich in die Abfahrt schmeißt, ziehen Stindl und ich eine Jacke an. Eigentlich sollten wir jetzt gemeinsam bis zum Schaidasattel arbeiten, doch ich komme mit der sehr dynamischen, um nicht zu sagen aggressiven Fahrweise von Thomas schlecht zu Recht. Während ich immer ziemlich gleichmäßig trete, ändert er seine Frequenz beinahe im Minutentat. Ich muss daher immer auf Druck fahren um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Konsequenz: ich lass Stindl ziehen und mache mich alleine auf den Weg durch Kärnten. Es rollt gar nicht so schlecht, das Wetter ist wieder besser, und der Topsound aus dem Lautsprechern motiviert mich natürlich auch. Meine Crew liest mir E Mails vor und versorgt mich über Funk mit allen nötigen Informationen sowie Klatsch und Tratsch. So fahre ich in ein regelrechtes Hoch rein. Beim Anstieg zum Schaidasattel glaub ich dann alles zerreißen zu müssen. Stindl ist in Sichtweite und ich drücke mächtig an. Zu diesem Zeitpunkt erscheint mir das als beste Alternative, rückblickend hätte ich mir meine Kräfte doch etwas aufsparen sollen. Mit diesem sinnlosen Auffahrversuch vergeude ich viel Energie und bin am Schaidasattel ziemlich erledigt. Außerdem ist mir schlecht und so schnell das Hoch gekommen war, so schnell verzieht es sich auch wieder. Was folgt ist ein Tief. Langsam rolle ich also weiter Richtung Villach. Der Kopf ist stark, der Körper schwach. Erst im Drautal kann ich wieder etwas Druck machen und frohen Mutes arbeiten wir uns Kilometer für Kilometer vor Richtung Checkpoint Winklern. Um 23.30 erreiche ich Winklern. Zentraler Checkpoint der Veranstaltung. Wir müssen uns persönlich beim Rennkomitee melden und nach einem Kleiderwechsel geht’s gleich weiter über den Iselberg nach Lienz. Race Day 2: In Lienz steht Michis Onkel Werner am Streckenrand, der mitten in der Nacht Pizza und Tee für uns Alle herangekarrt hat. Ich freu mich ihn zu sehen und bin mit warmer Pizza gestärkt voller Tatendrang. Plötzlich fährt wie aus dem Nichts Thomas Jaklitsch auf mich auf und wir beschließen uns die 50 km lange Auffahrt zum Felbertauerntunnel zu teilen. Das funktioniert prächtig, ich bin froh mit jemandem ein paar Worte plaudern zu können und gegen 3.30 erreichen wir gemeinsam das Tunnelportal zum Felbertauern. Dort müssen wir für 4 km in die Autos steigen weil der Tunnel mit Rädern nicht befahren werden darf. Am anderen Ende des Tunnels geht’s in Windeseile wieder rauf aufs Rad und hinab nach Mittersill. Auf den 21 flachen Kilometern nach Zell am See lass ich es gemütlich rollen um wieder ein bisschen Kraft für den Glockner zu bekommen. Es dämmert schon ein wenig als ich gegen 04.30 Richtung Mautstelle der Großglocknerstrasse fahre. Österreichs alpiner König schimmert ganz leicht in der Morgendämmerung und die unbeschreibliche Ruhe dieses gewaltigen Bergmassivs erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre. Wie von Geisterhand bewegt fahre ich auf den Großglockner. Keine Hektik, kein Rennstress. Im Einklang mit mir selbst und meinem Rad nehme ich den Berg an. 1.40 h später stehe ich am Hochtor. 2500 Meter über dem Meer. Hinter mir liegen bereits weit mehr als 300 Kilometer und mehr als 7000 Höhenmeter. Ein kurzes Erinnerungsfoto und auf geht’s nach Heiligenblut. Bei Kaiserwetter passiere ich die wunderschöne Ortschaft mit ihrer charakteristischen Kirche und merke schön langsam dass bei mir der Ofen sprichwörtlich ausgeht. Ich beschließe beim Halfway Point in Winklern eine kurze Pause zu machen. Meine Crew fährt die letzten Kilometer nach Winklern voraus, räumt das Auto aus und bereitet alles für die geplante Schlafpause vor. Als ich nach 22,5 Stunden nach Winklern komme geht alles ziemlich schnell. Ich steige vom Rad, trinke, bekomme meine Mineral- und Vitaminlösungen und lege mich mit Ohropax und Augenmaske ins Auto. Sekunden später schlafe ich tief und fest. Exakt nach 10 Minuten, ich habe die erste Tiefschlafphase hinter mir, werde ich mit Riechsalz geweckt. Während ich angezogen und mit Flector Pflastern beklebt werde esse ich mein Frühstück und 20 Minuten nachdem ich vom Rad gestiegen bin mache ich mich auf um den Glockner das Zweite Mal an diesem Tag zu bezwingen. Drüber über den Iselberg, durch Lienz durch und wieder 50 Kilometer rauf auf den Felbertauern. Es rollt perfekt. Ich bin motiviert, die Stimmung im Team ist super. Alles läuft nach Plan. *** fährt, mein Vater navigiert und organisiert, Michi kümmert sich um die Technik und Heinz ist für meine Verpflegung zuständig. Er hat´s am schwersten. Ist er doch permanent mit mir in Kontakt und muss versuchen mich regelmäßig zum Essen und trinken anzuhalten. Doch er macht seine Sache perfekt und ich bin rundum glücklich mit diesen 4 Menschen unterwegs sein zu dürfen. Am Felbertauern dann wieder ins Auto und nach dem Tunnel sofort wieder runter nach Mittersill und rüber nach Lienz. Ich lass jetzt nichts anbrennen. Der Glockner ist mir auch ein zweites Mal gnädig gestimmt und ich bin erstaunt wie problemlos ich die 2000 Höhenmeter bis zum Hochtor in etwas mehr als 2 Stunden bewältige. Ich fühl mich irrsinnig erleichtert als ich mich in die Abfahrt Richtung Heiligenblut und Winklern schmeiße. Jetzt geht’s wieder heimwärts. Das Schlimmste ist geschafft. In Winklern angekommen ist es 17.40 h. Ich bin seit knapp 30 Stunden unterwegs und fühle mich einfach super. Also keine Pause wie ursprünglich geplant sondern gleich weiter Richtung Spittal/Drau. Der Gegenwind lässt zwar keine Höchstgeschwindigkeiten zu, doch ich bin ziemlich gelassen und nehme den Wind als gegeben an. So rolle ich also durchs Drautal. Durch Spittal Richtung Villach und kurz davor Rechts rauf auf die Windische Höhe. Die empfängt mich gleich mit 24% Steigung und einer wunderschönen Landschaft. Es dämmert gerade und die sanften Almwiesen in Verbindung mit dem Abendrot tauchen die ganze Umgebung in eine surreale Atmosphäre. Ich bin jedenfalls zufrieden mit mir und der Welt und kurble mit dem Kopf in den Wolken Richtung Gipfel. Mittlerweile ist es wieder dunkel und die Zweite Nacht hereingebrochen. Race Day 3: Wir sind in Arnoldstein und ich habe mich entschlossen die restlichen 250 Kilometer bis ins Ziel durchzufahren wenn nichts dazwischenkommt. Bruce Springsteen schmettert „Born in the USA“ aus der Monsterbox hinter mir am Pace Car und ich fahre durch die wunderschöne Landschaft des Rosentales. Kurz vor Abtei sehe ich dann orange Blinklichter vor mir. Ich habe wieder auf Thomas Stindl aufgeschlossen. Unglaublich dass ich gerade ihn, mit dem ich gelegentlich eine Ausfahrt unternehme und der genauso wie ich heuer am XX Alps teilnehmen wird zusammentreffe. Ein Duell 200 km vor dem Ziel? Hinten dranbleiben? Einfach auf Ihn auffahren? Ich bin ratlos. Nachdem es bei mir aber gerade ziemlich gut rollt versuche ich Thomas mit einem Überfall von hinten aufzuwecken und mal zu klären wie es bei ihm ausschaut. Also Attacke mit Tempo 50. Thomas scheint jedenfalls hellwach zu sein und lässt nicht locker. Mit Höllentempo rasen wir durch die Nacht und nach 20 Minuten merken wir beide dass es so nicht weitergehen kann. Also reden wir uns ab. Wir planen mit leichtem Druck gemeinsam nach Lavamünd zu fahren und vielleicht haben ja die vor uns liegenden noch einen Hänger. Anfangs läuft das auch ganz gut nur komme ich wieder nicht mit Thomas und seinem für meine Verhältnisse zu unrythmischen Fahrstil zurecht. Auch wenn er es nicht absichtlich macht, sein Druck zermürbt mich und ich lasse ihn 20 Km vor Lavamünd ziehen. Und bei mir ist plötzlich der Ofen komplett aus. Ich habe starken Schüttelfrost und Anflüge von Sekundenschlaf. Ich beschließe die 15 km bis Lavamünd noch zu fahren und mich kurz vor dem Anstieg zur Soboth noch mal etwas auszuruhen. In Lavamünd schauts dann schlecht um mich aus. Ich habe starken Schüttelfrost in Verbindung mit Schwindel und Orientierungslosigkeit. Ich glaube mich beim Welschlauf zu wissen den ich 2003 bestritten habe, welcher aber nicht annähernd auch nur in die Nähe von Lavamünd führt. Außerdem könnte ich schwören genau an dieser Stelle schon einmal am Asphalt geschlafen zu haben. Als es mir nach 10 Minuten auch nicht großartig besser geht lasse ich mich von Heinz und Gerhard wieder aufs Rad heben und nehme die Soboth in Angriff. Meine erste Halluzination lässt auch nicht lange auf sich warten. Eine schwarze Riesenschlange liegt quer über die Strasse und ich schlage einen mächtigen Haken. Heinz erschrickt natürlich auch, aber nicht wegen der imaginären Schlange sondern vielmehr wegen meines Zustandes. Ich beschließe nur mehr auf meinen Vorderreifen zu sehen. Das scheint mir am ungefährlichsten. Benommen radle ich also auf die Soboth und bin heilfroh dass ich lebend am Parkplatz ankomme. Aufgrund des Schlafentzuges hatte ich eine massiv gestörte Optik und jeder Strauch verwandelte sich im orangen Licht des am Auto montierten Drehlichtes in irgendein Tier. Doch „the Show must go on“ und auf der Soboth ist keine Zeit für Zimperlichkeiten. Also rein in die Abfahrt hinunter nach Eibiswald. Auf dem Weg zum Kitzeck erreicht mich dann die Nachricht dass der Deutsche Riedl nur 1,5 km vor mir liegt. Mit neu gesteckten Zielen mobilisiere ich neue Kräfte und gebe noch einmal alles. Mit Druck wird das Kitzeck bezwungen doch Riedl und sein Pace Car ist nirgends auszumachen. Ich bin mächtig sauer als ich von meiner Crew höre dass Riedl schon beim Kreisverkehr in Preding sei, also knapp 8 km vor mir. Irgendwas stimmt da nicht. Bekomm ich die falschen Informationen? Sind wir einen Umweg gefahren? Egal, ich falle jedenfalls in ein tiefes Loch. Erst Gerhard reißt mich aus meiner Lethargie. Wenn ich Druck mache könnte es sich eventuell noch ausgehen dass ich unter 44 Stunden bleibe. Also die Beine in die Hände und „Full Speed Ahead“. Wie ich die 31 km/h Schnitt in der letzten Stunde geschafft habe weiß ich nicht mehr, ich bin aber ziemlich erledigt und glücklich als ich nach 43 Stunden und 55 Minuten Schinderei beim Ziel am Schwarzl See eintreffe. Nachbetrachtung: Jetzt, 3 Tage danach bin ich wieder halbwegs hergestellt. Das Rennen haben wir aufgearbeitet und im große und Ganzen bin ich mehr als zufrieden. Die taktischen Fehler bei KM 150 (Schaidasattel) und KM 800 (Duell mit Stindl) sind passiert und ein „was wäre wenn“ gibt es im Sport nicht. Als Rookie beim Glocknerman kann ich mit einer Zeit unter 44 Stunden durchaus zufrieden sein, und ich bin mir sicher dass ich nicht das letzte Mal bei diesem Rennen dabeigewesen sein werde.
Schlussendlich möchte ich noch anfügen dass mein Erfolg und meine erbrachte Leistung keine Einzelleistung ist. Ultra Radrennfahren ist ein Team Sport. Denn ohne die vielen Helferlein im Hintergrund und ohne meine Crew wäre das alles nicht möglich. Daher möchte ich mich auf diesem Weg recht herzlich bei allen Menschen bedanken die mich in der Vorbereitung und beim Rennen unterstützt haben. In alphabetischer Reihenfolge: Josef Donnerer, Meine Eltern und meine Frau, Franz Lueger, Agnes Obermair, Heinrich Schwarz, das Team vom Sporthaus Thonhofer, Mag. Thomas Verdino und die Casa Medica Apotheke, Werner Zanier sowie allen meinen Sponsoren und Gönnern. Herzlichen Dank! |