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Schladming STMK, 21.02.2004 Skitourennachtmarathon (2400 HM) Homepage Wenn 150 Athleten bei Dunkelheit den pickelhart gefrorenen 55 Grad steilen Planai Zielhang hinauflaufen, ausgerüstet mit Tourenskiern, Harsch-Eisen und Hallogen Strahlern auf dem Helm ist es wieder Zeit für das alljährlich stattfindende Planai Extrem. Ein Skitouren Nachtmarathon der es in sich hat. Waren es im Vorjahr noch 3600 Höhenmeter - was drei Gipfelstürme in Serie bedeutete, hatten wir heuer zwar "nur" 2400 Höhenmeter (2 mal rauf und runter) zu absolvieren, aber auch die waren kein Spaziergang. Schon bei der Besichtigung am Nachmittag wurde mir klar dass der Aufstieg, speziell der Zielhang eine absolute Gratwanderung werden würde. Mit Miga gings also erstmal mit der Seilbahn zur Bergstation um die Streicher Abfahrt zu besichtigen. Bei Tageslicht und Kaiserwetter eine herrliche Aufgabe. Die Streicherabfahrt ist eine gleichmässig fallende Abfahrt mit runden Kurven. Alles in allem angenehm zu fahren und nur gelegentlich von Geländekanten unterbrochen, die man sich für die Abfahrt bei Dunkelheit doch einprägen sollte um nicht im warsten Sinne des Wortes den "Boden unter den Füßen zu verlieren"!
Was mir dann schon mehr Sorgen bereitete war der extrem eisige Zielhang, welcher mit seinen 55 Grad Steigung oder Gefälle - je nachdem wie man es betrachtet - schon bei normalen Schneeverhältnissen kein typischer Tourenskihang ist. Und beim Planai Extrem gibts keine Spitzkehren, Diretissima heisst das Zauberwort. Blick nach oben und ja nicht ins rutschen kommen. Beim Weltcup Slalom müssen Sie nur runter, wir kommen jetzt in den zweifelhaften Genuss deren Pistenpräparation auch im Aufstieg zu testen. Nach dem Briefing um 17 Uhr und einigen Aufwärmsprints gehts dann auch schon los mit dem unmittelbaren Startvorbereitungen. Ich entscheide mich für Harsch Eisen - die paar Gramm mehr an Gewicht werden mich auch nicht umbringen und ich hab dafür wenigstens "relativ" gute Karten den Hang ohne größere Probleme zu bewältigen. Dann gehts auch schon los. Massenstart zusammen mit den Teilnehmern vom Sprintbewerb und dem Mannschaftsbewerb. Hektisches Tempobolzen auf den ersten Metern, die ersten kommen den Hang auf allen vieren wieder runter und fangen sich erst wieder bei der Startlinie. Ich versuche mich von der allgemeinen Hektik nicht aus dem Rythmus bringen zu lassen, was schwerer ist als man glaubt. Es gibt soviele Dinge die man beachten soll, und auf die man sich konzentrieren muss. Den Vordermann soll man im Auge behalten, den ein Tritt auf dessen Ski würde Grip Verlust bedeuten was fatale Folgen hätte, ausserdem würde ein zu spät bemerkter Sturz von einem der vor einem gehenden Athleten eine Gratis Talfahrt mit sich ziehen. Nebenbei kann man sich keine Schlampereien beim Stockeinsatz leisten und hat wirklich alle Hände und Füsse voll zu tun um im Bewegung zu bleiben. Stehenbleiben auf dem Hang ist nicht drinnen. 15 Minuten später sieht alles schon wieder ganz anders aus. Das Feld hat sich auseinandergezogen und die Nacht umhüllt uns auf dem Weg zur Kessler Alm. Traditionell gibts bei der Planai Mittelstation einen großen Red Bull Bogen zu durchlaufen hinter dem die gut bestückte Labestation wartet. Mit heissem Red Bull stärkt man sich um die restlichen 700 Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Ich mag die Dunkelheit und das gleichmässig steile Gelände auf dem Weg zur Bergstation. Man ist mit sich und der Natur in Einklang. Der Puls ist zwar immer jenseits der 180 - trotzdem registriere ich die Ruhe dieser wunderbaren Gegend. Schon im Vorjahr hatte ich nach dem Zielhang keine wesentlichen Probleme mit der restlichen Strecke und auch heuer finde ich relativ schnell meinen Rythmus, gehe mein Tempo und bewege mich Richtung Bergstation. Mein Material ist zwar nicht besser geworden - ich aber schon. Heuer absolviere ich die ersten 1200 Höhenmeter in 1 Stunde und 3 Minuten (im Vorjahr 01.10 h). Oben angekommen stärke ich mich wieder mit heissen tee und Red Bull, und dann gehts runter durch die pechschwarze Nacht. Ein unbeschreibliches Gefühl nur mit einer Stirnlampe ausgerüstet die Schladminger Planai runterzubrettern. 7 Minuten dauert der Höllenritt ehe ich mich wieder im hell erleuchteten Planai Stadion einfinde. Das erste mal habe ich in knapp 1 Stunde und 10 Minuten hinter mich gebracht, und mache mich drauf und dran die Planai das zweite Mal zu bezwingen. Der zweite Anstieg geht von Anfang an lockerer als der Erste, ich finde schon im Zielhang meinen Rythmus und bin auch im Kopf viel entspannter und ruhiger als nach der hektischen Startphase. Bei der Mittelstation empfängt mich auch dann noch meine Miga die mich wie immer erstklassig betreut, was mir zusätzliche Motivation gibt. Das Tempo bleibt konstant und ehe ich mich versehe erreiche ich nach 1 Stunde und 6 Minuten das zweite Mal an diesem Abend die Bergstation der Planai. Das letzte Mal an diesem Tag die Fälle runter und hinab in die Nacht. Nach abermals 7 Minuten hab ichs dann für heuer geschafft. 2400 Höhenmeter im Aufstieg und genausoviele in der Abfahrt hab ich in 2 Stunden und 24 Minuten hinter mich gebracht und falle glücklich aber ko meiner Miga in die Arme. Gratulation an Wolfgang Erhart für diese grandiose Veranstaltung - nächstes Jahr kommen wir wieder! Aufstieg I: 01.03.40 h Abfahrt I: 00.07.26 h Aufstieg II: 01.06.40 h Abfahrt II: 00.07.05 h Gesamt: 02.24.53 h Platz 15          |