Berg ? Radikal ?? Berg Radikal ??? Hört sich nicht nur gut an - ist auch so ! Eines gleich vorweg - der Berg Radikal Marathon in Mittersill hält was er verspricht. Aber der Reihe nach: Anreise am Samstag von Graz. Im Gepäck das Bike, Klamotten, Verpflegung und meine "persönliche" Bertreuerin ergo Freundin ergo wichtigster Teil im Gepäck ;-)
Die 300 Kilometer vergehen wie im Flug, die vorbeiziehende Landschaft lenkt ab und lässt auf ein großartiges Rennen bei herrlichem Wetter in wunderbarer Umgebung hoffen. Mittersill im Pinzgau wird gegen 16.00 erreicht - wir holen die Startunterlagen und die Nummer, spazieren ein bisschen durch den Ort und lassen uns dann in einem gemuetlichen Gasthof zum Abendessen resp. Biertrinken nieder. Um 19.00 machen wir uns dann wieder mit dem Auto auf den Weg, um ein lauschiges Plätzchen am Waldrand zu finden, wo wir unseren Standplatz für die Nacht planen. Was einfach erscheint - gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nach einer guten Stunde herumfahren haben wir dann doch ein lauschiges Plätzchen im Wald mit Blick über Mittersill gefunden, und begeben uns gegen 21.00 Uhr in die horizontale. Nach einer erquickenden Nacht in diesem herrlichen Ambiente läutet um Punkt 6 Uhr der Wecker. Bei bereits strahlend blauem Himmel geniesen wir das Frühstück im Multifunkitionsvan (Schlafzimmer, Küche, Auto...), ich beginne mit meinen Startvorbereitungen und ehe wir uns versehen wird es schon Zeit ins Ortszentrum von Mittersill aufzubrechen. Ich starte über die Langdistanz um 08.30 - zusammen mit circa 140 anderen Verrückten aus halb Europa. Einige Fakten: 78 km / 3170 Höhenmeter / höchster Punkt 2100 Meter / 4 Berge !
08.30: Start! Durch das Ortsgebiet von Mittersill wird neutralisiert gefahren und ich reihe mich im vorderen Drittel des Teilnehmerfeldes ein. Nach 1 Kilometer gehts auch schon los mit dem Klettern. 400 Höhenmeter bis zum Pass Thurn stehen auf dem Programm - das Kettenblatt raucht und wir geben zu Beginn gleich mal ordentlich Gas. Zuerst circa 2 Kilometer auf einer einfachen Forststrasse , dann durch einen Single Trail artigen Waldweg mit zähen steilen Anstiegen. Der Schweis rinnt in Strömen - der Puls hat sich irgendwo bei 180 eingependelt, und wir arbeiten uns den Berg rauf. Am Pass Thurn dann 500 Meter eben - Zeit zum Erholen - wenn auch nur kurz ! Jetzt gehts los auf den Zweitausender. 800 Höhenmeter jenseits der Baumgrenze sind bei Temperaturen jenseits der 30 Grad kein Zuckerschlecken. Ich mache mir Gedanken wieviel Wasser wohl noch aus meinem geschundenen Körper herauskommen kann bis ich vertrockne. Der Anstieg zum Zweitausender entpuppt sich zwar als zäh - aber technisch nicht sonderlich aufregend. Eine angenehme Forststrasse schlängelt sich dem Gipfel entgegen und ich fühl mich noch relativ frisch und munter. 2000 Meter sind ganz schön hoch - und wenn man hoch oben ist muss man auch irgendwann einmal wieder runter. In meinem Fall ists eine ordinäre - von Kühen aufgelockerte schlammige - fast senkrechte Almwiese. Technisch ziemlich anspruchsvoll bewege ich mich immer am Limit! Ein technischer Grenzgang zwischen Salto Mortale mit dem Bike und Downhill Rodeo mit dem Kinn auf dem Sattel. Keine Ahnung wie - aber ich komme heil auf eine Forststrasse - die gleich wieder in einen felsigen Trail mündet. Keine Ahnung wieso - aber zu diesem Zeitpunkt empfinde ich die Bergab Passagen noch wesentlich anstrengender als die Bergaufstücke. 800 Höhenmeter weiter unten stehe ich vor der zweiten Wand des Tages. Berg Nummer 2 ruft - und lässt mir keine Zeit auch nur einmal durchzuschnaufen. 1000 Höhenmeter nonstop auf einen Höhe von exakt 2100 Meter über dem Meer warten auf mich. Die Überstzung wird im 15 Minuten Takt kleiner - aber ich bin noch gut im Tritt - die Verfolger halten sich in Grenzen und ich schiebe mich durch einen Glutofen nach oben. Kein Baum weit und breit - kein Schatten - nur Mutter Sonne lacht mich an. Ich bin froh darüber keine Gruppe um mich zu haben und gehe mein eigenes Tempo. Das Terrain ist mässig schwierig - ab und ab ein bisschen felsig und zerklüftet aber im großen und ganzen (sofern man konzentriert ist) am Rad (ohne Tragepassagen) bewältigbar. Tip für Nachahmer Nummer 1: die letzten 150 Höhenmeter nach der Labestation haben es aber ziemlich in sich. Oben angekommen schnell einen Schluck aus der Wasserflasche und 1300 Höhenmeter senkrecht ins Tal. Der Transalp erprobte Singletrail entpuppt sich als hochalpiner Klettersteig ! Die eigenen Grenzen, die meines Rades und die Grenzen der Physik auslotend stürze ich mich hinunter.
Denken verboten lautet die Devise. Wer denkt - der bremst (oder steigt ab) - und wer bremst verliert. Wie auch immer - runter kommt man immer irgendwie (in diesem senkrechten Terrain stimmt das auf jeden Fall) und plötzlich finde auch ich mich auf einem Forstweg wieder. Der Singletrail ist besiegt - es lebe die Zivilisation. Schotterstrassen Downhill - der Tacho bewährt sich - die Durchschnittsgeschwindigkeit hebt sich in imposante Höhen - und nach den letzten 3 Kilometern auf Asphalt bin ich unten. Unversehrt !!! Tip Nummer 2: Nutzt die Zeit durch die Ortschaft als Vorbereitung auf den nächsten Anstieg und versucht ein bisschen zu regenerieren - spätestens wenns wieder bergauf geht wird es sich bezahlt machen. Ich als "Wegbereiter" bolze natürlich vom Übermut gehetzt volle Kanne durch das verschlafene Dörfchen und treffe den Mann mit dem Hammer just beim ersten Anstieg. 500 Höhenmeter mit einer durchschnittlichen (!) Steigung von 17 % (!!!) schmerzen. Zumindest wenn man a.) schon 2200 Höhenmeter intus hat, b.) es ungefähr 32 Grad hat, und c.) durch falschen Ehrgeiz im Flachen etwas überzogen hat. Aber ich bin nicht der einzige der schmerzlich erfahren muss das Höhenmeter + Hitze eine ziemlich fatale Kombination sein können. Einige Atlethen schieben und kämpfen sich so den Berg rauf. Ich hüte mich tunlichst davor abzusteigen - obwohl das Verlangen zu diesem Zeitpunkt ziemlich groß ist. Aber ich weis: sollte ich jetzt absteigen - steig ich sicher nicht mehr auf - und das ist erst Berg 3 von insgesamt vier an der Zahl.
Völlig entkräftet und mit stechenden kopfschmerzen (Hitze ?) komm ich oben an , stürz mich den Forstweg - Wiesen - Trail hinunter und frage mich immer öfter wie ich da heil runterkommen bzw. im selben Gedankengang wie ich den nächsten Berg raufkommen soll ? Klatschende Streckenposten und die langsamen Fahrer der kurzen Strecke (40 km) die ich schön langsam zum überholen beginne bringen aber dann doch etwas Motivation in meinen Geist - und ich habs wieder mal überstanden. Der Mann mit dem Hammer klopft mir nochmal kurz auf die Schulter und verabschiedet sich endgültig. Die Kraft kommt auch wieder retour - und so nehme ich Powerbar mampfend den letzten Berg in Angriff. Knapp 450 Höhenmeter auf einer mässig steigenden Forststrasse warten auf mich. Am Fuße des Berges frage ich den erstbesten Streckenposten im vorbeifahren wie weit es noch auf den Gipfel ist. "3 Kilometer" ruft er mir stolz entgegen und ich beisse die Zähne zusammen und trete ordentlich in die Pedale (das Ziel vor Augen) ! 3 km später ein weiterer Streckenposten (mitten im Wald) - auf meine Frage wie weit es denn noch auf den Gipfel sei - seine Antwort "noch ungefähr 3 Kilometer". Ich glaub ich spinne! Komplett "blau" kämpfe ich weiter. Nach weiteren Drei Kilometern eine Labestation. Ich bin erleichtert und glaube mich schon am Gipfel - aber man glaubt es kaum ! Nein - nicht Drei sondern "noch circa 2 Kilometer" solls bergauf gehen klärt mich die nette Dame auf. Im inneren verfluche ich sämtliche Berge und die dazugehörigen Streckenposten und beisse nochmal die Zähne zusammen. Es ist hart und 2 Kilometer bergauf können - wenn man partout keine Lust mehr zum bergaufradeln hat - ganz schön lange sein.
Aber irgendwann zeigt der Pfeil dann endlich wieder nach unten - der letzte Downhill - ein Trail durch den Wald - dann über eine Wiese und auf Asphalt Richtung Mittersill. Ziemlich erledigt aber froh komm ich nach 05 Stunden und 21 Minuten im Ortszentrum von Mittersill an. Um einige Erfahrungen reicher freue ich mich von meiner Freundin (vielen Dank für Alles - speziell die Motivation die du mir vermittelst indem du im Ziel auf mich wartest - das hat mich heuer schon oft in den entscheidenden Phasen angetrieben) empfangen zu werden, geniese die Dusche und das Bier - und gemeinsam treten wir gegen 16 Uhr denn Heimweg nach Graz an. Alles in allem ein herrliches Wochenende in einer wunderbaren Gegend.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 19. Jänner 2007 )
Hey Franz, herzlichen Glückwunsch zu diesem hervorragenden 4 Platz. Insbesondere die Kraft und der Wille nach dem Sturtz weiter zu fahren ist einfach TOP. Ein großes Lob auch an Dein Team, das anscheinend sehr gut or