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56 km / 2250 HM Sinn ? UnSinn ? WAHNSINN ? Wahnsinnig schön auf jeden Fall. Die puren Fakten des Grenzstaffellaufes: 57 km und 2250 durch jede Geländestufe. Von der schotterbedeckten Forststrasse bis hin zum hochalpinen Kletter- (Teufels-) Steig. Grüne Almwiesen, Waldwege und ein atemberaubendes Panorama bei der Überquerung des Hochplateaus. Nebenbei eine professionell und mit viel Herz organisierte Veranstaltung bei der von A wie Anmeldung über L wie Labestationen bis hin zu Z wie Zeitnehmung alles tadellos funktioniert. Aber jetzt zum Rennverlauf.
Samstag 08.00: Veitsch liegt noch im Halbschlaf, bis auf die Ansammlung von etwa 100 Ultraläufern aus beinahe ganz Österreich und an die 300 Staffelläufer. Das Wetter ist warm - Sonne und Wolken wechseln sich gemächlich ab - und ich beginne mit meinen Startvorbereitungen. Ich werde heute nicht nur die 56 km durchlaufen - ich laufe auch als erster Staffelmann für die Mannschaft "Plechis Power Team" gemeinsam mit Jürgen Plechinger und Thomas Öftiger. Was bedeutet das ich speziell im Ersten Streckenabschnitt (19 km) trotz der noch bevorstehenden Strecke auch ein wenig Tempo machen sollte. In Anbetracht der zu erwartenden Strapazen verzichte ich aufs einlaufen, und mach es mir lieber bei einem kurzen Waldspaziergang gemütlich. Noch mal ein wenig abschalten und zur Ruhe kommen lautet meine Devise. Ausserdem hab ich seit in der Früh einige Probleme mit meiner Verdauung, zu diesem Zeitpunkt denke ich aber noch an "Startnervösität" oder so was in der Art. Punkt 9: Start! Das ungefähr 250 Läufer (davon etwa 100 Durchläufer) umfassende Starterfeld zieht sich hinter dem FührungsMini von Veranstalter und gutem Geist Franz Huber durch das Ortsgebiet der Veitsch. Ich reihe mich irgendwo im vorderen Drittel ein und finde überraschend schnell meinen Rythmus. Das Tempo ist angenehm - nicht zu schnell aber auch nicht langsam (dafür sorgen einige übereifrige Staffelläufer am Beginn - nichtsahnend das 19 km auf den Berg doch kein Zuckerschlecken sind) nehmen wir die erste Steigung zum HOCHREITER in Angriff. Wie schon in der Streckenbeschreibung erwähnt trennt sich hier die Spreu vom Weizen und das Feld zieht sich weit auseinander. Ich liege ungefähr bei Platz 8 und lass mich durch das hektische Tempo anziehen / Tempo zurücknehmen der Staffelläufer nicht aus dem Rythmus bringen. Nach km 5 und circa 350 HM gibts die erste Labestation beim Hochreiter, und das kühle Wasser tut angesichts der schwülen Hitze im Wald sehr gut. Jetzt gehts rein in den Wald Richtung Pretalsattel, doch entgegen der ehemaligen Streckenführung biegt man kurz vor diesem wieder ab Richtung Tal, ein ca. 10 minütiger Forststrassedownhill beginnt und man findet sich (gemein aber wahr) - am Fuße des zuvor beinahe schon erklommenen Pretalsattels wieder. Also nochmal rauf - diesmal aber auf der asphaltierten Strasse! (Grund für diese unplanmässige Streckenänderung war das Verbot eines Grundstücksbesitzers! Ihm war es nicht recht 200 Leute über eine 2 km lange Forststrasse die durch seinen Grund geht laufen zu lassen). Wie dem auch sei - der Pretalsattel wurde erreicht, und somit der schwierigste Teil der ersten 19 km hinter uns gelassen. Mittlerweile hatte ich einige Leute hinter mir gelassen und befand mich auf dem vierten Rang. Die nächsten 4 Kilometer bis zum ersten Wechselpunkt sind ein angenehmer Forststrassen Cruise. Nicht flach aber auch nie wirklich steil - und ehe man sich versieht kommt man auch schon zum Wechselpunkt bei km 19 (Durchgangszeit: 01.33 h). Für die Ersten Staffelläufer ist hier bereits Schluss, ich hab noch 37 km vor mir. Mein Magen krampft mittlerweile ziemlich, ich besorge mir bei der Labestation Papiertaschentücher, lege einen Toilettenstop ein und begebe mich wieder auf den Weg. Doch der WC Aufenthalt beruhigt meinen Magen nur geringfügig und ich ahne schon schlimmes (siehe Florenz 2002). Doch das Rennen geht weiter und ich laufe, jetzt etwas langsamer nachdem ich die Bürde des Staffelläufers an Thomas ÖFTIGER abgegeben habe. Auf einem Forstweg, dann durch den Wald gehts rüber zur ROTSOHL Alm, einer herrlichen wiesenbewachsenen Alm am Fuße des berüchtigten Teufelssteiges. Ich stärke mich bei der Labestation mit Cola und Wasser, und los gehts wieder. Durch einen extrem steilen Wald gelangt man nach circa 10 Minuten auf die sogenannte HOCHWIESE. Laufenden Schrittes quert man diese sich endlos in die Länge ziehende Hochalpinsteppe und steht dann plötzlich vor einer Felswand durch die sich ein kleiner Pfad auf einer Länge von 1 km gute 350 HM in die Höhe windet! Der TEUFELSSTEIG ! Nicht mehr zum Laufen, aber auch zum Gehen eine Herausforderung. Mein Puls tummelt sich mittlerweile in ungeahnten Höhen, das Herz klopft in den Ohren, der Magen krampft, und auch die Beine melden sich mit Wadenkrämpfen das erste Mal zu Wort. Beruhigende Symptome bei KM 25 von 57 ?! Irgendwo, irgendwann hat auch der Teufelssteig ein Ende - ich stehe am Hochplateau der Hohen Veitsch (1800 Meter über dem Meer). Erstmal kurz die Waden ausdehnen, und los gehts - am GRAF MERANHAUS vorbei Richtung Kleinveitschalm. Extrem anspruchsvoll zu laufen ist es hier. Schmale Felswege, teilweise von Latschen bedeckt lassen keinen Blick zur Seite zu. Zu groß ist die Gefahr zu stürzen, den dieses kann aufgrund des felsigen Terrains fatal enden. Nach weiteren 16 km (= KM 35) erreicht man die KLEINVEITSCHALM. Die herrlich gelegene Almhütte ist gleichzeitig das Ende des 2 Streckenabschnittes. Meine Freundin und meine Eltern sind vor Ort um mich zu unterstützen - versorgen mich mit Papiertaschentüchern und Getränken. Nach einem Becher Cola gehts wieder los. 3 km Downhill stehen auf dem Programm, ich muss wieder aufs WC und merke allmählich wie mir aufgrund des Durchfalls die Kräfte langsam aber sicher schwinden. Bis ins Ziel sinds noch 22 km und ich beginne schön langsam zu leiden. Die dritte Etappe ist geprägt von langen Bergabpassagen über Waldwege und Forstwege und schmerzhaften, zermürbenden Gegenanstiegen. Das erste Mal trifft mich der Mann mit dem Hammer beim Anstieg zum Hocheck. Ich stehe plötzlich - nichts geht mehr. Taktik über den Haufen werfen ist angesagt - ich setze einen Schritt vor den anderen und torkle über die endlose Forststrasse Richtung Gipfel. Aus dem Gehen wir allmählich ein Traben, aus dem Traben ein langsames Laufen und nach 20 Minuten ist aus dieser erste wirkliche Hänger vorbei - und ich bewege mich (jetzt wieder einem Läufer ähnlich) Richtung HOCHECKHÜTTE. Bei der Labestation erfahre ich das ich noch 13 km bis ins Ziel habe, davon die letzten 4 km bergab, also in Summe muss ich mich noch 9 km durch diese Almlandschaft quälen. Ich schöpfe wieder neuen Mut, ignoriere das Seitenstechen und den krampfenden Magen - und trabe auf der leicht abfallenden Forststrasse talwärts. Otto Koller überholt mich frischen Mutes, ich versuche mich an Ihn dranzuhängen (der Geist ist willig - der Körper ist schwach) doch es hat keinen Sinn. Ich bleib bei meinem Tempo - alleine mit meinen Gedanken geht es diese Forststrasse hinunter und plötzlich wieder eine Wand. Noch ein Anstieg - und was für einer ! Der MIRLBAUER ruft, und ich kämpfe. Der Mann mit dem Hammer jagt mich ! Meter für Meter schieb ich meinen Körper Richtung Horizont und nach guten 2 km ist auch dieser Spuk vorbei. Der MIRLBAUER ist in Sichtweite, ich laufe und erblicke die letzte Labestation. KM 52 ist erreicht , von jetzt an gehts bergab. Die letzten 4 km kann ich (man glaubt es kaum) sogar geniesen. Der Forstweg schlängelt sich - eingebettet in einen herrlichen Nadelwald Richtung Tal - ich freue mich auf den Zeileinlauf - auf meine Freundin und meine Eltern - und bin stolz auf mich selbst. Angesichts der schwierigen Bedingungen (Magenprobleme) bin ich froh nach 05 Stunden und 05 Minuten über die Ziellinie beim Veitscher Hallenbad zu laufen. Mit meiner Staffel PLECHIS POWER TEAM belege ich Platz 2, in meiner Altersgruppe M20 belege ich als bester Österreicher ebenfalls Platz 2. Abschliessend möchte ich auf diesem Weg allen Freiwilligen Helfern - allen vorweg Franz Huber - für deren Engagement und deren Einsatz danken. Diese Veranstaltung ist grandios - und ich hoffe sehr das sich ein Weg findet um sich auch 2004 wieder 56 km über die Hohe Veitsch zu schinden. Weiters möchte ich mich auch bei meiner Freundin und meinen Eltern für Ihre Unterstützung bedanken. "Seid Ihr im Ziel - komm auch ich ins Ziel" ;-) Bis zum nächsten Mal in der Veitsch ...  der start  beim ersten Anstieg  zwischen hochreiter u. pretalsattel  Siegerehrung |