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24.-25.05.2003 ... und bewege ich mich so komme ich weiter ! Dieser Satz von Herbert Meneweger geht mir bei der morgendlichen Anreise nach Gols öfters durch den Kopf. Das letzte Monat war hart. Zuerst der Langdistanz Duathlon in Mürzzuschlag - dann gleich im Anschluss der Welsch Marathon und unmittelbar darauf der HM in Fehring mit Neuer PBZ. Aber was ist das alles gegen 24 Stunden am Rad? Obwohl ich heuer im Vergleich zum Vorjahr ziemlich wenig am Rad gesessen bin, fühle ich mich gut und bin zuversichtlichl. Der Sharan ist randvoll mit Rädern, Ersatzmaterial, Wäsche, Medikamenten und was man sonst noch so alles braucht um "rund um die Uhr" Rad zu fahren. Mein Schatz bringt mich sicher und pünktlich nach Gols und ich versuche die letzten 2 Stunden vor dem Rad noch etwas Ruhe zu finden. Wir schlendern etwas herum, begrüßen die restlichen Jungs und Mädels vom BIKE CLUB DISPLAY und vertreiben uns die Zeit im VIP Zelt bei Ham and Eggs und Kaffee. Mir geht einiges durch den Kopf. 24 Stunden sind eine lange Zeit in der viel passieren kann.
Start! Der Pulk von Radsportverrückten setzt sich mit Höllentempo in Bewegung! Rupert, Ernst und Ich einigen uns darauf nicht im Pulk mitzufahren sondern als Dreiergruppe erstmal unser eigenes Tempo zu fahren. Die 19 km Runde ist zwar ziemlich abwechslungslos und landschaftlich eher eintönig - dafür sorgen aber die rücksichtslosen Autofahrer und präpotenten Bauern auf Ihren Traktoren dafür - das keinem von uns fad wird. Speziell der Kreisverkehr beim Billa in Frauenkirchen entpuppt sich als Nadelöhr. Die Taktik für die Ersten Stunden legen wir am Rad fest, sie lautet 6 Runden fahren, dann eine kurze Pause (3 minl.) - wieder 3 Runden fahren (3 min. Pause) - und abermals 3 Runden fahren ! Darauf sollte die erste längere Pause mit einer Dauer von circa 30 Minuten folgen. Die Hitze knallt erbarmungslos herunter - es hat jenseits der 30 Grad und ich sitz am Rad und trete. Ab und an (der Technik sei dank) erhalte ich ermunternde Anrufe (die ich mittels Freisprecheinrichtung probemlos entgegennehmen kann) von Freunden und Bekannten, und auch das nur Sekunden andauernde "Wiedersehen" mit meinem Schatz beim Wendepunkt trägt wesentlich zu meiner Motivation bei. Mittlerweile sind aus meinen Reihen neben meiner Freundin auch deren Schwester, sowie meine Eltern und Julia (eine gute Freundin mit der ich schon die Schulbank drückte) an der Strecke und helfen mir (bewusst oder unbewusst) über die ersten 5 Stunden. Nach den ersten 200 Kilometern bin ich ziemlich froh mal für einige Minuten vom Rad zu können. Ich hatte die letzten 2 Stunden über schon Probleme mit dem Magen (die Hitze?) und versuche mich im VAN etwas zu erholen. Auf diesem Weg ein großes DANKESCHÖN an meine Freundin Michaela die 24 Stunden am Streckenrand war und mich obwohl sie das noch nie gemacht hatte - erstklassig betreute ! Luv Ya ;-) !!! Nach einer Ringer Infusion und einigen Kartoffel Chips ging es mir dann wieder wesentlich besser, und ich ging gestärkt und mit neuer Motivation zurück auf die Strecke. Die Taktik von jetzt an lautete folgendermassen: 3 Runden am Rad (3 Minuten Pause) - 3 Runden am Rad (30 Minuten Pause) - was soviel heißt wie nach 6 mal 19 km (= 114 km) immer eine kurze Regenerationspause. Der Abend bricht auch allmählich herein, und ich trenne mich von Rupert und Ernst. Ich bins einfach nicht gewohnt so lange in einer Gruppe zu fahren - brauche mein eigenes Tempo und möchte auch einmal für mich alleine sein. Ich überhole Manuela Resnik die sich die 12 Stunden vorgenommen hat, und gegen 19.00 nicht mehr all zu lange vor sich hat. Wir wechseln ein paar Worte - dann ziehe ich nach vorne davon. Es macht nach den etwas harten ersten Stunden wieder Spass am Rad zu sitzen. Ich hab einen guten Rythmus, die motivierende Musik über den MP3 Player tut ihr nötiges für die richtige Stimmung, und ich komme gut voran. Von Zeit zu Zeit hänge ich mich auch mal eine Runden an die 24 Stunden Staffelfahrer an - deren Höllentempo wird mir aber auf Dauer zu stressig und ich klinke mich meistens in der Wechselzone wieder raus. Die Taktik mit den kurzen Pausen erscheint sinnvoll - ich nutze die Zeit jeweils für einen Ringer Lösung sowie einen Happen zu Essen. (Hauptsache salzig !) Und plötzlich ist auch schon Nacht. Es wird stpckdunkel draussen auf der Strasse und nur vereinzelt kommen einem Radfahrer entgegen die man an Ihrem kleinem Scheinwerfer am Lenker erkennen kann. Wie Glühwürmchen streifen wir durch Dunkelheit - nur von Zeit zur Zeit überholen einem die 24 Stunden Staffelfahrer wie der Blitz. Ich werde müde und verliere die Lust am Radfahren. "Normale Menschen" liegen mit Ihrer Frau im Bett oder machen sonst was angenehmes - denke ich mir. Bin ich normal - sind die normal ??? Die Antwort will mir in diesem Moment nicht so recht einfallen. Ich weis zu dem Zeitpunkt nur das ich mir weitaus angenehmere Dinge vorstellen könnte, als um 2 Uhr Früh durch Burgenland zu Radeln. (Ich bin immerhin schon seit 13,5 Stunden im Sattel. Und plötzlich kommt der Schmerz. Vor 2 Wochen hab ich mich im Training unfreiwillig auf die Hüfte gelegt und mir dabei anscheinend was beleidigt! Zumindest nach 14 Stunden am Rad... Das Treten wird zur Qual - ich muss extrem aufrecht sitzen um dem Schmerz irgendwie zu entgehen. Ich denke es ist ein Nerv, zumindest sticht es von der Hüfte aus bis runter zum Knöchel, sobald ich mich auch nur Ansatzweise Richtung Aerobar bewege. Ich beginne zu rechnen ! 24 - 14 = 10 ! Nicht gerade ermutigend. Irgendwie gehen auch die 6 Runden vorbei und ich kippe in den VAN zu Michi. Lasse mich umsorgen und überlege. Ich bin im Auto aber doch irgendwie weg - alles kreist nur um die 10 Stunden und die Möglichkeiten den Schmerz halbwegs in Schach zu halten. Wir arbeiten mit enzündungshemmenden und schmerzstillenden Pflastern zu lokalen Anwendung - Analgetika traue ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht nehmen. Erstens weis ich nicht wie mein Magen darauf reagieren wuerde und zweitens machen dieserlei Medikamente zu 99% müde. Und genau das kann ich jetzt am wenigsten brauchen. Ich lieg also benommen im Auto und hadere mit meinem Schicksal. Und der Moment kommt (nach etlichen Hin und Her mit mir selbst) in dem ich mich aufraffe, anziehe und zufällig zu dem Zeitpunkt wo sich Rupert und Ernst gerade auf den Weg machen, auch wieder aufs Rad steige. The Show must go on... Ich bin froh die Jungs zu treffen und deren Anwesenheit motiviert. Ausserdem merke ich das ich nicht alleine bin mit meinen Problemen. Um 5 Uhr früh - nach 15 Stunden im Sattel hat jeder so seine Wehwechen. Von nun an fahre ich 50% der Runde im Stehen oder komplett aufgerichtet und freihändig. Ich kann einfach keinen Druck machen mit dem linken Fuss. Von rundem Tritt kann schon lange keine Rede mehr sein. Minuten werden zu Stunden. Was am Vortag eine Runde war sind jetzt aufeinmal 10. Gibts beim Radfahren kein "Runners High" ? Wo bleiben die Endorphine ? Mir ist eiskalt und gleichzeitig schwitze ich. Der Wind beginnt wieder zu wehen - ich freu mich keine Sekunde darüber die Sonne aufgehen zu sehen, und irgendwie scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Um 09.30 - nach 23 Stunden im Rennen und 21 Stunden im Sattel werfe ich nach 580 Kilometern das Handtuch. Die Saison ist noch zu lang um sich komplett zu ruinieren. Nachdem sich das Gefühlschaos aus Erleichterung, Verärgerung, Stolz und Enttäuschung wieder gelegt hat ziehe ich eine Bilanz! Der Lohn der harten "Arbeit" ist eine Menge Erfahrungen die ich an diesem Tag am Rad gemacht hat. Erfahrungen und Eindrücke die warscheinlich nur jemand versteht der selbst schon mal an seine Grenzen gegangen ist. Die Kehrseite der Medaille sind (was ich nach dem Duschen bemerke) 2 Haselnuss große Furunkel im Glutealbereich die mich die nächsten 2 Wochen begleiteten, sowie ein vergrößertes Schlafbedürfniss in den 2 Nächten nach Gols. Nach 2 Tagen Pause hab ich Mittwochs nach dem Gols Wochenende wieder mit lockerem Lauftraining begonnen, erstaunlich locker wie mir schien. Nur im Kopf hatte ich eine Sperre - so kamen mir zum Beispiel 2 Stunden Laufen wie eine halbe Ewigkeit vor. Das erste Mal am Rad trainiert hab ich wieder im Sommer Trainingslager in Italien, circa 3 Wochen nach Gols. Anbei noch einige Infos und persönliche Worte: Getrunken hab ich vorwiegend FITLINE Iso Drinks, Apfelsaft/Leitungswasser und Red Bull mit Cola ! Um 22.00 Uhr hab ich mir eine Dose Ottakringer gegönnt, und um 07.30 einen Kaffee. Gegessen hab ich während der 24 Stunden 2 Semmeln mit Butter, einen kleinen Teller Nudeln, einige Kartoffelchips, ein Stück Kuchen, 2 Enervit Riegel und 2 Balisto. Bedanken möchte ich mich recht herzlich bei meiner kleinen Maus für die Unterstützung und die Geduld sowie die super Betreuung, bei meinen Eltern für Ihre Hilfe, bei Julia Fuchs für Ihre Unterstützung und die Medizinische Versorgung, bei Petra Pölzl für die Massagen und die "Geschenke", bei Heidi Waldhaus fürs "Zuschau´n" kommen, bei meinen Mitstreitern Rupert Tatzgern und Ernst Lueger die mich auf den letzten Runden motivierten, beim Super Team vom Bike Club Display Mürzzuschlag für die Hilfsbereitschaft, und bei der Firma 2 Rad Zentrum Koubek in 8662 Mitterdorf für deren Unterstützung.  vor dem start  vor dem start  Der Start  Der Start  mitten in der nacht  in der wechselzone  nach 24 stunden am fahrrad |